Costantino Ciervo
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Assoziation/Dissoziation,1994 - [ Videookumentation : Wahr/Falsch = (historiche Persönlichkeiten ) ; Falsch/Wahr = (Wörter) ]

16 s/w Fernseher, 1 original VHS Videokassette mit 1000 Wörtern, 1 VHS Videokassette mit bekannten Persönlichkeiten,1 Lichtschranke, 2 Video player, digital sprechende Armbanduhr, 1 UHF-Sender, Laufsprecher, verstellbare Maße

Heute ist es allgemeiner Gebrauch, über die Existenz zu philosophieren: Man philosophiert über die Unmöglichkeit, die Realität zu erkennen, man dekonstruiert jedes Urteil in sein Gegenteil, um dann das Gegenteil noch einmal in sein Gegenteil zu dekonstruieren usw. Ich liebe zwar das Zweifeln und die Zaghaftigkeit, aber gleichzeitig versuche ich, zwischen den Gegensätzen eine Synthese zu finden, die einen Wert darstellt, der in der Realität eine Verifikation, wenn auch nur eine vorübergehende, erfährt. Wenn dies bei einem Kunstwerk passiert, dann "funktioniert" die Arbeit.
Man weiß, dass ein wesentliches Element der Kunst darin besteht, die Zeit vorauszusehen. Ich habe das Bedürfnis, über die Entwicklungstendenzen der Realität zu arbeiten. Wenn man sich mit diesem Bereich beschäftigt, dann ist es wichtig, ein flexibles Mittel zu finden, welches einem ermöglicht, auf Veränderungen schnell zu reagieren, wenn der Moment es verlangt. Das Medium Technologie bietet diese Möglichkeit. Darüber hinaus sind die Entwicklungstendenzen der Realität in ihr als Mittel selbst thematisch impliziert. Die Technologie hat sich in direktem Zusammenhang mit den Bedürfnissen der Wirtschaft entwickelt. Heute kann man sie mit einem Virus vergleichen, der keinen Körper (Wirtschaft) mehr braucht, um sich selbst zu reproduzieren. Mit dieser neuen, der Technologie innewohnenden Macht entstehen neue philosophische Fragen, die die Fortentwicklung der Menschheit betreffen.
Die Grundlage der Technologie ist die formale Logik. Diese schließt die menschliche Erfahrung des Widerspruchs aus, indem sie sich ausschließlich der beiden Werte "wahr" und "falsch" bedient. Sie ist zur Grundlage unserer Gesellschaft geworden. Mit ihr hat die Technologie ein Gesellschaftssystem manifestiert, das in seinen strukturellen Bereichen mit sich selbst kommuniziert und nicht mehr mit den Menschen. Diese gestörte Kommunikation (Dissoziation) zwischen dem Menschen, der etwas erschafft und dem Geschaffenen, das sich reproduziert, ohne seinen Erschaffer einzubeziehen, zeigt sich in verschiedenen Phänomenen. Darunter ist das Phänomen der Sprache beispielhaft. Die Sprache ist, besonders dann, wenn sie gesprochen wird, in sich widersprüchlich. Nur wenn sich die Sprache von der Realität entfernt, ist es möglich, sie zu formalisieren. Die Sprache in meinen Arbeiten ist u.a. ein Ausgangspunkt, um das allgemeine Problem der Assoziation/Dissoziation zu behandeln.
Ich stelle die Dissoziation der Sprache vom menschlichen Bedürfnis in Widerspruch zur Assoziation der Sprache mit den "realen Phänomenen" der Welt der Logik. Bei dieser Handlung ist es sicherlich interessant, wenn man eine für den Menschen wichtige Thematik aufdeckt und beschreibt, doch noch wichtiger ist, dass das Kunstwerk direkt mit seinem Betrachter interagiert, um bei ihm die Gefühle zu wecken, die mit seinem Werden und dessen Bedeutung verbunden sind.

© Costantino Ciervo, 1994

© Photo: Jürgen Baumann