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Erziehung Züchtung, 2001 - [
Videodokumentation]
multimediale Installation, Maße variabel
Wir leben in einer totalitären Gesellschaft, wo alles durch den Willen einer profitorientierten Ökonomie bestimmt wird. Eine Wirtschaft, die nur und ausschließlich Kapital (Geld und Macht) schlagen will aus den menschlichen Handlungen. Jeder Widerstand und jede Alternative löst sich auf in den Mäandern einer zunehmenden Komplexität des Systems. Nach der "Massenverblödung" der Konsumgesellschaft der 50er, 60er und 70er Jahre durch das Einsetzen des Fernsehens, wird seit den 80er Jahren eine zusätzliche Kontrolle und Überwachung der Massen ausgeübt durch die globale Digitalisierung der Information. Milliarden von Daten (Bild, Ton, Text) werden mit unglaublicher Geschwindigkeit und Effizienz übertragen, gespeichert, abgerufen und verwaltet. Das Militär und internationale Multikonzerne verfügen durch die Computervernetzung über totalitäre Kontrollmechanismen: Erstere bei Konflikten, letztere in Bezug auf die Warenproduktion und die Erzeugung von Bedürfnissen der Konsumenten in jeder Ecke der Welt und in jedem Augenblick. Zeit und Raum spielen kaum mehr eine Rolle. Damit wird die Durchsetzung der Globalisierung der Profitwirtschaft erleichtert und beschleunigt.
Die Regression der Menschenwürde ist dadurch verstärkt worden, daß die Erkenntnisse der Biotechnik und Genforchung es ermöglichen, zusätzliche Kontrolle auszuüben und weitere Profitbereiche zu erschließen, auch da wo es undenkbar schien: Es werden sozialkompatible Menschen hergestellt werden, die zu dem System passen. Sie werden wirtschaftlich rentabler sein, als die zu erziehenden Menschen. Es ist kein Zufall, das Politiker der CDU vorschlagen, genetische Datenbanken aller Männer in Deutschland anzulegen. Das "Innere" des Menschen wird kontrolliert und für die Profiterzeugung nutzbar. Der Terror der Profitwirtschaft verläuft subtil und setzt sich weiter durch. Die Kontrolle wird auf das Innere des Menschen ausgeweitet.
Diese Überlegungen liegen der Installation "Erziehung/Züchtung" zugrunde, die im Januar 2001 entstanden ist.
Die Arbeit ist für einen 30 quadratmeter großen Raum konzipiert. Ich habe Kontakt mit einer Grundschule in Berlin (Finow Schule) aufgenommen und mir die Erlaubnis von den Eltern und dem Schuldirektor geben lassen, die Hände der Kinder einer ersten Klasse zu fotografieren, um sie für ein Kunstprojekt anzuwenden.
Unter den 24 Kindern der Klasse 1d habe ich eine Auswahl von 10 fotografierten Händen getroffen, die in 10 programmierbare "Stempelmaschinen" eingebaut sind. Jede Maschine tippt in einer mittels Mikro Controller (Einplatinencomputer) programmierten Abfolge 4 Holzstempel mit den Buchstaben C, T, A und G auf die Hände. Jeder Chip enthält ein eigenes Programm und trägt den Namen des jeweiligen Kindes, dessen linke Hand symbolisch mit der Basenfolge der DNA codiert wird. Die Maschinen arbeiten interaktiv, das heißt, das Codieren beginnt, sobald ein Mensch von dem Bewegungsmelder erfaßt wird. Die 10 Maschinen hängen an der Wand in einer Reihe nebeneinander, so daß sie zusammen wie eine große Fabrikationsmaschine funktionieren. Gegenüber jeder einzelnen Maschine ist an der Wand der Name des Kindes in eine weiße Tafel eingraviert. Die Tafeln mit Namen sind in der gleichen Reihenfolge wie die Maschinen angeordnet. In der Mitte, an der Stirnwand des Raumes, hängt ein Gruppenfoto der Schulklasse mit Lehrern. Im Hintergrund hört man in Intervallen den Lärm und das Schreien spielender Kinder.Costantino Ciervo, Berlin im März 2001
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(English)
...This work is conceived for a 30 square meter space. I established contact with a primary school in Berlin (Finow school) and received permission from parents and the head master to have the hands of the children of a first grade to be photographed for use in this art project. Among the 24 children of the class 1d, I selected 10 photographed hands which are inserted in 10 programmable "stamp machines". Each machine types 4 wooden stamps with the letters C, T, A and G in a rhythm or different sequences on the photos of the hands. The process is guided by a micro controller (single-board computer). Each chip contains its own program and carries the name of each respective child, whose left hand is coded symbolically with the base sequence of DNA. The machines operate interactively, which means that through a proximity device coding begins as soon as a person enters the room. The 10 machines hang on the wall at a height of approximately 116 cm. They form a series, one after the other, so that they function together like a large conveyor belt machine. Besides the noise of the stamps, the viewer can also hear the voices of playing children. On the wall opposite each machine-box the name of each individual child is engraved on a small white signboard. The signs with names are placed on the wall in the same order as the machine-boxes. On another wall in the room, a group photograph of the whole class with two teachers is presented exactly in the middle of the wall.
Costantino Ciervo, Berlin 2001