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Ohne Titel, 1993 - Videodokumentation.

Interaktive Installation
64 TTL-Siebensegmentanzeigen, 64 Fotoobjektive, 64 Metall-Assemblageteile, Pinzetten, Lichtschranke, Relais, elektrische Klingel, Kabel
Maße variabel

Beschreibung:
64 elektronische Leuchtzahlen (TTL-Siebensegmentanzeigen)zeigen 32 Mal die Zahl 6 und 32 Mal die Zahl 4. Die Zahlen 6 und 4 ersetzen die Werte 0 und 1 (wahr und falsch) von der Wahrheitstabelle der formalen Logik (George Bool), die maximal aus 64 Zusammenstellungen besteht. Die Fotoobjektive sind so angebracht, dass der Betrachter die Zahlen verkehrt herum, auf den Kopf gestellt sieht. Die 6 als 9 und die 4 als Zeichen ohne unmittelbar erkennbare Bedeutung.

Interaktion mit dem Betrachter
Sobald der Betrachter vor die Installation tritt, tauscht die Lichtschranke die Stellung von 6 und 4. Der Betrachter ist dadurch verwirrt, dass vor seinen Augen zwei Veränderungen geschehen: einmal elektronisch, weil die Zahlen 6 und 4 ihre Stellung durch den Sensor umtauschen; einmal optisch, weil die Fotoobjektive die Zahlen auf den Kopf stellen. Synchron zu der Bewegung der Zahlen und des Betrachters hört man einen Klang, der von einer elektrischen Magnetklingel erzeugt wird.
Versucht der Betrachter die verkehrte Zahlensymbolik der logisch-technischen Gesetzmäßigkeit zu entschlüsseln, muss er zwangsläufig im Ungewissen bleiben.

 

...Um dem kritischen Potenzial des postmodemen Diskurses wirklich gerecht zu werden, muss man den Blick zunächt auf die modernen Formen der Souveränität richten. Wie die vorangegangenen Abschnitte gezeigt haben, ist die Welt der modernen Souveränität eine manichäische Welt, die in eine Reihe binärer Oppositionen aufgeteilt ist, welche das Ich und den Anderen, Weiß und Schwarz, Drinnen und Draußen definieren. Das postmodeme Denken stellt nun genau diese binäre Logik der Moderne in Frage und liefert in dieser Hinsicht denjenigen, die gegen die modernen Diskurse des Patriarchats, des Kolonialismus und des Rassismus ankämpfen, wichtige Ressourcen. Im Kontext postmodemer Theorien sind es offenbar die Hybridität und die Ambivalenzen unserer Kulturen und unserer Zugehörigkeitsgefühle, welche die binäre Logik von Ich und Anderem, die hinter den mo-dernen kolonialistischen, sexistischen und rassistischen Konstrukten steht, in Frage stellen. Ähnlich widersetzt sich das postmodeme Beharren auf Differenz und Besonderheit dem Totalitarismus universalisierender Diskurse und Machtstrukturen; die Betonung fragmentierter gesellschaftlicher Identitäten erscheint als Mittel, um die Souveränität sowohl des modernen Subjekts wie des modernen Nationalstaats mitsamt den damit verbundenen Hierarchien anzufechten. Diese kritische Sensibilität der Postmodeme ist in unserem Zusammenhang besonders wichtig, weil sie die Behauptung (oder das Symptom) eines Bruchs im Hinblick auf die gesamte Entwicklung moderner Souveränität darstellt...

Antonio Negri, Michael Hardt, Empire, Die neue Weltordnung, Campus Verlag, Frankfurt/New York, 2000, S.152