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Hörsturz Info Box, 1996, Interaktives Objekt
Anrufbeantworter, Audiokassette, Bewegungsmelder, Plexiglas, Dia, Parabol-Mikrophon.
81x36x15 cm.Eine Großdia zeigt die " Info Box" am Potsdamer Platz (Berlin Mitte). Hinter der Dia ist eine Beleuchtung angebracht. Im Zentrum der Rückseite des Diasupports befindet sich ein Lautsprecher, dessen Schatten ein "schwarzes Loch" in der Mitte der Abbildung Verursacht. Der Lautsprecher ist mit dem Walkman verbunden. Direkt über dem Schatten des Lautsprechers schwebt eine zu einer elektrischen Klingel verbundene Kreisschlinge aus Kupfer. Durch die Bewegung des Betrachters und die Lichtschranke wird die Schlinge in Schwingung gebracht; gleichzeitig schaltet sich der Walkman ein. Aus dem Lautsprecher des Walkmans, also aus dem schwarzen loch und der schwingenden Kupferschlange, hört man undeutlich Namen. Es handelt sich um Namen von Aktiengesellschaften, die Ich in Internet aus den Börsen von New York, London und Tokio bezogen habe. Diese Namen wurden von dem Computer durch einen Text-To-Speech-Synthesizer "gelesen" und auf die Audiokassette aufgenommen.
Unerwartet wenn der Betrachter nicht mehr von der Lichtschranke erfasst wird, schaltet sich automatisch für 30 sec. die Funktion Ansageaufnahme des Anrufbeantworters ein. Für 30 sec. wird das Parabel-Mikrophon jede kleine Geräusch aufnehmen! Unmittelbar nach der Aufnahme schaltet der Anrufbeantworter auf die Funktion Ansagewiedergabe um. Aus dem unter der Plexiglashaube positionierten zweiten Lautsprecher werden die gerade aufgenommenen Stimmen, beziehungsweise die Geräusche wiedergegeben. Je nach "Zufall" (in der tat ist eine strenge Logik vorhanden), überlagern sich die gerade aufgenommenen Stimmen mit den Namen der Aktiengesellschaften und mit dem Geräusch der schwingenden Schlinge oder sie werden getrennt wiedergegeben. Auf dieser weise fungiert das Kunstobjekt als kleine Lauschzentrale; wobei Informationen, die aus der Umgebung und dem Betrachter bezogen werden, mit Namen de Weltwirtschaft in Zusammenhang gebracht werden.
Das ganze System von Informationen bildet ein Netz, das weltweit durch komplexe Kommunikationsverfahren der Wirtschaft gesteuert wird. Berlin bildet, mit Projekten wie zum Beispiel dem Potsdamer Platz, ein Symbol dieser totalen Vernetzung. Von hier aus wird eines der wichtigsten Unternehmen dieses Globus Informationen beziehen und weiterleiten, um die Produktion immer aufs Neue zu gestalten und deren Existenz zu garantieren. Leider benutzt diese Wirtschaft die Information nicht als Mittel, um die aktive Mitgestaltung des Konsumenten einzubeziehen, sondern als Zweck, um die Herrschaft dieser Ökonomie zu konsolidieren. Das Gedächtnis wird auf ein Minimum reduziert, die Information wird als Konsumgut und Ware umfunktioniert,
In der Welt der totalen Information erleidet paradoxerweise das Hören, einer der wichtigsten Sinne des Wahrnehmens von Nachrichten, einen Hörsturz. Eine Krankheit der modernen Gesellschaft wobei die offizielle Medizin noch keine Lösung für die Heilung gefunden hat.