Costantino Ciervo
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PALE-JUDEA, 2002

DVD, Videoprojektion für zwei Kanäle/Monitore
DVD, Videoprojektion für einen Kanal/Monitor
Text: Costantino Ciervo
Darsteller: Horst-Günter Marx
Sprache: Deutsch (mit Englischen Untertiteln)
Dauer: ca. 10 Min.


Die Idee zum Projekt "Pale-Judea", Palästina und Israel, entstand im Juli 2001, nachdem die Verhandlungen in Camp David 2000 gescheitert waren. Hier in Nahost fließen die drei monotheistischen Religionen zusammen, die sehr stark verbunden sind durch denselben Patriarchen (Abraham/Ibrahim) und dieselben biblischen Propheten. Und hier hassen und bekämpfen sich zwei Völker: die jüdischen Israelis und die islamischen palästinensischen Araber.
Doch die religiösen Unterschiede spielen in diesem Konflikt nur eine untergeordnete Rolle. Die Ursachen für die Auseinandersetzung zwischen Israelis und Palästinensern sind vielmehr komplexe, dialektische Verflechtungen im Bereich der Ökonomie, der Geschichte, der Psychologie und Anthropologie, wenn auch diese Verflechtungen an dieser Stelle nicht eingehender beschrieben und analysiert werden können. Das Video "Pale-Judea" basiert auf einer symbolischen Bildsprache. Es geht um Zwillinge, die fast identisch aussehen und einander gegenüber stehen. Beide führen ein emotional aufgeladenes Streitgespräch in dem es um Gebietsansprüche beider Seiten auf dasselbe Territorium geht. Beide Rollen wurden von demselben Schauspieler gespielt und die Gegenüberstellung der vermeintlichen Zwillinge erfolgt durch digitale Technik.
Das Bühnenbild ist auf ein Minimum reduziert. Der Schauspieler erscheint als Torso vor schwarzem Hintergrund. Der jüdische Israeli trägt eine Brille und einen dunkelgrünen Pullover, er gestikuliert zurückhaltend und wirkt körperlich robust. Der Palästinenser gestikuliert beim Sprechen stark, trägt keine Brille und ist mit einem dunkelroten Pullover gekleidet. Grundlage des vom Künstler verfassten Textes (Streitgespräches) sind eingehende literarische Studien u. a. der folgenden Autoren: Friedrich Schreiber, ehemaliger Korrespondent der ARD im Nahen Osten, Avi Primor, ehemaliger israelischer Botschafter in Berlin, Uri Avneri, Träger des alternativen Friedensnobelpreises und israelischer Friedensaktivist. Darüber hinaus religionswissenschaftliche Texte, Fernsehdokumentationen sowie in Gespräche mit Fachleuten, Freunden und Bekannten.
Der Text des Streitgespräches erhebt nicht den Anspruch auf Neutralität, er ist subjektiv aber
aufgrund der symbolischen Bedeutung der Zwillinge nicht propagandistisch. Es wird kein authentisches Gespräch zwischen einem "echten" Israeli und einem "echten" Palästinenser simuliert. Das Gespräch ist eine Inszenierung, wobei in dem hitzigen Gespräch historisch fundierte Fakten genannt werden, von denen manche - besonders im Hinblick auf die Palästinenser - nur selten publik gemacht werden.