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Lexicon, 2007
Drei Bände Meyers Konversations
Lexikon (Ausgabe Leipzig 1886), Minifernseher S/W, HDD Player, Video, Holz.
Videiobjekt ohne Zockel: 18,5x18x25 Cm.
Zockel: 11x21,529,5 Cm.
Gedanken zum Kunstwerk
Sprache, Symbole und Zeichen sind, in ihren vielfachen Ausdrucksweisen, Instrumente
oder Mittel, die der Mensch (das Subjekt) gebraucht, um sich mit anderen (Subjekten)
und mit der Welt (Objekt, Natur, Wirtschaft) in Beziehung zu setzen.
Die uranfängliche Ursache jeder Annäherung zwischen den verschiedenen
Subjekten und zwischen den Subjekten und den Objekten ist jedoch nicht von emphatischer,
kognitiver und psychogenetischer Natur, sondern soll vielmehr in der Notwendigkeit
gesucht werden, die Natur zu transformieren, mit dem Ziel, sich die notwendigen
Mittel der Existenz zu beschaffen, um sich anschließend durch sexuelle
Impulse (Libido) der Reproduktion der eigenen Spezies zu vergewissern.
Aus diesem uranfänglichen Impuls, dem der Transformation, (begleitet in
einem zweiten Moment von demjenigen der Libido), der in sich kreativ ist, weil
er Intelligenz benötigt, folgt das Bedürfnis der Kommunikation (in
Zeichen, sprachlich, symbolisch), ohne welches es unmöglich wäre,
die Arbeit und die Transformation der Natur selbst zu organisieren.
Diese Tatsache soll nicht rein mechanisch wahrgenommen werden, denn die logische,
grammatikalische und semantische Struktur der Sprache und die analoge Struktur
des Symbols sind das Ergebnis einer komplexen wechselseitigen Relation zwischen
der ersten Ursache, der Wirtschaft, und der zweiten Ursache, der Sexualität
(Libido).
In diesem Sinn interagieren der rationelle Apparat (Bewußtsein) und der
psychologische Apparat (Unterbewußtsein) ständig mit der Struktur/Überstruktur
(Ökonomie/Staat).
Aus diesem komplexen Spiel von Interaktion, in dem der Mensch niemals allein
ist, sondern zusammen mit anderen, destilliert sich, um sich später in
den Tiefen des Seins (Unterbewusstsein) niederzuschlagen, das Symbol in Form
von kodifizierten Zeichen, deren universale Bedeutung (niemals logisch und rational)
von der Vielfalt der Subjekte geteilt wird.
Durch die Betrachtung des
Symbols ist es also möglich, die Art von Zusammenhang/Beziehung des Menschen
zu sich selbst, zu den anderen und der Welt (Natur/Ökonomie) zu bewerten
und zu interpretieren.
Kurz und gut, das Symbol, das Sein, die Sprache sind nicht unveränderliche,
natürliche Faktoren, die für die Ewigkeit festgelegt wurden, sondern
sie interagieren und verändern/entwickeln sich qualitativ in Beziehung
zum wirtschaftlichen und sozialen Kontext.
Das spezifische des Symbols ist auf eine bestimmte Art und Weise vergleichbar,
um eine gastronomische Metapher zu verwenden, mit der Fähigkeit der Allgemeinheit
(Subjekte), den Geschmack und das Spezifische einer besonderen kulinarischen
Kultur unmittelbar und intuitiv zu fühlen, zu verstehen, zu teilen und
zu identifizieren.
Ich weiß, wir wissen und erkennen zusammen die Differenz zwischen der
chinesischen und der französischen Küche, oder zwischen der nordamerikanischen
und der arabischen etc.
Um aber den Geschmack einer spezifischen kulinarischen Kultur zu identifizieren
muss man/müssen wir ausprobieren, interagieren, erleben, konfrontieren:
der Geschmack (und die Fähigkeit, ihn zu identifizieren), wird für
mich/für uns nicht von Geburt an festgelegt, aber der Geschmack ist das
Ergebnis eines komplexen Prozesses der Interaktion mit der objektiven und subjektiven
Realität.
Wenn man, um auf der Ebene der gastronomischen Metapher zu bleiben, den lexikalischen
Reichtum in einem Wörterbuch, die syntaktische Genialität eines Satzes,
die Vielfalt der gesprochenen Sprachen, wenn man dies vergleicht mit dem Reichtum
an Zutaten, mit dessen raffinierten Zusammensetzungen, mit der Vielfalt an Gerichten,
die eine globale kulinarische Kultur anbietet, dann könnte man geltend
machen, dass je unterschiedlicher und differenzierter, je originaler und charakteristischer
diese Kultur ist, um so höher die Qualität des Lebens ist.
Je mehr also das Symbol in seiner bedeutsamen poietischen und numinosen Einzigartigkeit
die Differenzen, die Heterogenität und Hybridität identifiziert, umso
mehr reflektiert das Symbol eine höhere kulturelle Stufe der Existenz.
Je mehr das Symbol, im gegenteiligen Sinn, das Übliche, das Geläufige,
das Fade, das Selbstverständliche und das längst Bekannte identifiziert,
umso mehr bekommt es ein banale Wertigkeit und wird Symptom einer wenig oder
überhaupt nicht entwickelten kulturellen Stufe der Existenz.
In einer totalitären und totalisierenden Gesellschaft, jener des postfordistischen
Kapitalismus, werden die Assimilation und Homologisierung der Handlungen, der
Bedürfnisse, der Wünsche, der verschiedenen Sprachen zu einer Notwendigkeit,
unentbehrlich für die Gewinnerzielung.
Der Kapitalismus handelt, entsprechend seinem Naturell, in Bezug auf die Differenzen
in einer dekodifizierenden Art, um dann eine künstliche, symbolische Sprache
zu rekodifizieren, die für alle gültig sein soll. Der Kapitalismus
schafft die Illusion von Differenz, von Freiheit. Tatsächlich aber verfolgt
er das Ziel, zu nivellieren und alles auf die Stufe bloßer Tauschware
zu stellen, und somit banalisiert er jeden Ausdruck von Differenz der Subjektivität.
Ein klassisches Beispiel für die Banalisierung des Symbols findet man in
der Abflachung des Benehmens und des kulinarischen Geschmacks von Millionen
von Individuen, die auf globaler Ebene immer mehr in Mc Donalds das Symbol sehen,
um ihre Begierde zu befriedigen, mit Hamburgern und Coca Cola.
Wir erleben (und schon lange genug) eine kontinuierliche Bombardierung durch
das Kapital, mit der (zum Teil) erfüllten Absicht, das Leben, das Fühlen,
das Produzieren von Wünschen und Gefühlen im allgemeinen abzuflachen.
Berlin 02-07-2008
Costantino Ciervo