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videodokumentation - (CentrePasquArt - Salle Poma)
-videodocumentation - Englisch - (CentrePasquArt - Salle Poma)
"Perversion of Signs, CentrePasquArt, Biel/Bienne , Schweiz , - 2009
Vierundachtzig Kanal Raumbezogene Videoinstallation , Stahl, Mediaplayer, Lampen, Din A4 Blätter
500 x 500 x 450 (B x L x H)cm.- Raum: 18,71 x 16,45 x (H)5,92 m.Text: Costantino Ciervo, Berlin
Sprache, Symbole und Zeichen sind, in ihren vielfachen Ausdrucksweisen, Instrumente oder Mittel, die der Mensch (das Subjekt) gebraucht, um sich mit anderen (Subjekten) und mit der Welt (Objekt, Natur, Wirtschaft) in Beziehung zu setzen.
Die uranfängliche Ursache jeder Annäherung zwischen den verschiedenen Subjekten und zwischen den Subjekten und den Objekten ist jedoch nicht von emphatischer, kognitiver und psychogenetischer Natur, sondern soll vielmehr in der Notwendigkeit gesucht werden, die Natur zu transformieren, mit dem Ziel, sich die notwendigen Mittel der Existenz zu beschaffen, um sich anschließend durch sexuelle Impulse (Libido) der Reproduktion der eigenen Spezies zu vergewissern.
Aus diesem uranfänglichen Impuls, dem der Transformation, (begleitet in einem zweiten Moment von demjenigen der Libido), der in sich kreativ ist, weil er Intelligenz benötigt, folgt das Bedürfnis der Kommunikation (in Zeichen, sprachlich, symbolisch), ohne welches es unmöglich wäre, die Arbeit und die Transformation der Natur selbst zu organisieren.
Diese Tatsache soll nicht rein mechanisch wahrgenommen werden, denn die logische, grammatikalische und semantische Struktur der Sprache und die analoge Struktur des Symbols sind das Ergebnis einer komplexen wechselseitigen Relation zwischen der ersten Ursache, der Wirtschaft, und der zweiten Ursache, der Sexualität (Libido).
In diesem Sinn interagieren der rationelle Apparat (Bewußtsein) und der psychologische Apparat (Unterbewußtsein) ständig mit der Struktur/Überstruktur (Ökonomie/Staat).
Aus diesem komplexen Spiel von Interaktion, in dem der Mensch niemals allein ist, sondern zusammen mit anderen, destilliert sich, um sich später in den Tiefen des Seins (Unterbewusstsein) niederzuschlagen, das Symbol in Form von kodifizierten Zeichen, deren universale Bedeutung (niemals logisch und rational) von der Vielfalt der Subjekte geteilt wird.Durch die Betrachtung des Symbols ist es also möglich, die Art von Zusammenhang/Beziehung des Menschen zu sich selbst, zu den anderen und der Welt (Natur/Ökonomie) zu bewerten und zu interpretieren.
Kurz und gut, das Symbol, das Sein, die Sprache sind nicht unveränderliche, natürliche Faktoren, die für die Ewigkeit festgelegt wurden, sondern sie interagieren und verändern/entwickeln sich qualitativ in Beziehung zum wirtschaftlichen und sozialen Kontext.
Das spezifische des Symbols ist auf eine bestimmte Art und Weise vergleichbar, um eine gastronomische Metapher zu verwenden, mit der Fähigkeit der Allgemeinheit (Subjekte), den Geschmack und das Spezifische einer besonderen kulinarischen Kultur unmittelbar und intuitiv zu fühlen, zu verstehen, zu teilen und zu identifizieren.
Ich weiß, wir wissen und erkennen zusammen die Differenz zwischen der chinesischen und der französischen Küche, oder zwischen der nordamerikanischen und der arabischen etc.
Um aber den Geschmack einer spezifischen kulinarischen Kultur zu identifizieren muss man/müssen wir ausprobieren, interagieren, erleben, konfrontieren: der Geschmack (und die Fähigkeit, ihn zu identifizieren), wird für mich/für uns nicht von Geburt an festgelegt, aber der Geschmack ist das Ergebnis eines komplexen Prozesses der Interaktion mit der objektiven und subjektiven Realität.
Wenn man, um auf der Ebene der gastronomischen Metapher zu bleiben, den lexikalischen Reichtum in einem Wörterbuch, die syntaktische Genialität eines Satzes, die Vielfalt der gesprochenen Sprachen, wenn man dies vergleicht mit dem Reichtum an Zutaten, mit dessen raffinierten Zusammensetzungen, mit der Vielfalt an Gerichten, die eine globale kulinarische Kultur anbietet, dann könnte man geltend machen, dass je unterschiedlicher und differenzierter, je originaler und charakteristischer diese Kultur ist, um so höher die Qualität des Lebens ist.
Je mehr also das Symbol in seiner bedeutsamen poietischen und numinosen Einzigartigkeit die Differenzen, die Heterogenität und Hybridität identifiziert, umso mehr reflektiert das Symbol eine höhere kulturelle Stufe der Existenz.
Je mehr das Symbol, im gegenteiligen Sinn, das Übliche, das Geläufige, das Fade, das Selbstverständliche und das längst Bekannte identifiziert, umso mehr bekommt es ein banale Wertigkeit und wird Symptom einer wenig oder überhaupt nicht entwickelten kulturellen Stufe der Existenz.
In einer totalitären und totalisierenden Gesellschaft, jener des postfordistischen Kapitalismus, werden die Assimilation und Homologisierung der Handlungen, der Bedürfnisse, der Wünsche, der verschiedenen Sprachen zu einer Notwendigkeit, unentbehrlich für die Gewinnerzielung.
Der Kapitalismus handelt, entsprechend seinem Naturell, in Bezug auf die Differenzen in einer dekodifizierenden Art, um dann eine künstliche, symbolische Sprache zu rekodifizieren, die für alle gültig sein soll. Der Kapitalismus schafft die Illusion von Differenz, von Freiheit. Tatsächlich aber verfolgt er das Ziel, zu nivellieren und alles auf die Stufe bloßer Tauschware zu stellen, und somit banalisiert er jeden Ausdruck von Differenz der Subjektivität.
Ein klassisches Beispiel für die Banalisierung des Symbols findet man in der Abflachung des Benehmens und des kulinarischen Geschmacks von Millionen von Individuen, die auf globaler Ebene immer mehr in Mc Donalds das Symbol sehen, um ihre Begierde zu befriedigen, mit Hamburgern und Coca Cola.
Wir erleben (und schon lange genug) eine kontinuierliche Bombardierung durch das Kapital, mit der (zum Teil) erfüllten Absicht, das Leben, das Fühlen, das Produzieren von Wünschen und Gefühlen im allgemeinen abzuflachen.Bei der Installation Perversion of Signs handelt es sich um eine pyramidale Videoskulptur, deren Tragegerüst aus Stahlprofilen zur Befestigung von je 21 flachen Monitoren an vier Seitenwänden dient. Die Monitore sind in je 6 Reihen in regelmäßigen Abständen voneinander horizontal aufgereiht. Wobei die Anzahl der Monitore von Reihe zu Reihe von unten nach oben hin abnimmt, von sechs in der untersten Reihe bis zu einem in der obersten Reihe, der Spitze der Pyramide.
Insgesamt sind 84 Videos zu sehen, die verschiedene Personen, Männer und Frauen unterschiedlichen Alters und verschiedener sozialer Herkunft zeigen, die dabei sind, eine Serie von Piktogrammen, Logogrammen, Ideogrammen und Symbolen aus pastoser, farbiger Zuckerschrift abzulecken und zu verschlucken. Die grafischen Zeichen beschwören Begriffe herauf, die verbunden sind mit der allgemeinen Existenz wie zum Beispiel: Frieden, Gewalt, Religion usw. Und Zeichen, die das Leben in der heutigen Gesellschaft herauf beschwören, wie etwa Sicherheit, Information, Kommunikation, Geld, Wirtschaft, Terrorismus, Demokratie, Markt etc.
In dieser Installation werden implizit kritische Verweise auf die Sprache und die negative Beziehung, die man zu ihr hat oder die negative Art, mit ihr umzugehen zur Schau gestellt. Und zwar durch die größere Anzahl von Personen, durch den Fokus der Kamera auf Mund und Zunge und durch die Handlung des Verschluckens der grafischen Zeichen, die Inhalte und Bedeutungen aus dem sozialen und existenziellen Kontext heraufbeschwören.Die Sprache und die Sprachen sind, wie man weiß, das Ergebnis eines Prozesses der Differenzierung, der im Laufe von Jahrtausenden stattgefunden hat. Wobei die kreativen Beziehungen der Interpretation und Verifizierung zwischen dem Begriff und dem Konkreten (zwischen Konzept und Realität) eine höherer kulturelle Stufe erreichen könnten.
Das Kunstwerk reflektiert eine sehr kritische Haltung gegenüber dem (teilweise gelungenen) Versuch der Abflachung, Homologisierung des Verhaltens der Menschen und deren Sprachen. Der kritische Aspekt wird besonders hervorgehoben durch das generalisierte, gierige, passive und fast libidinöse Verhalten der Darstellerinnen und Darsteller im Akt des Konsumierens und Ableckens.
Es ist, als ob man gemeinsam in einem quasi perversen Ritual eine Realität verschlucken würde, wobei das Gewöhnliche, Banale, das Konforme plötzlich essentiell, verlockend süß, provozierend und unwiderstehlich attraktiv werden.In einer Gesellschaft, in der die Wirtschaft sich der gesamten modernen Technik der Information und Kommunikation bedient, um die maximale Stufe der Spekulation und des Profits zu gewährleisten, ist der Mensch immerfort durchdrungen von anmaßenden, aggressiven und mystifizierenden Botschaften. Wir werden ständig bombardiert mit Zeichen und Symbolen, die den einzigen Zweck haben, uns zu zeigen, wie man agiert, wie man glaubt, wie man bewilligt. Jeder von uns neigt dazu, eine Marionette zu werden, bewegt von Zeichen. Und das macht uns passiv in Bezug auf unsere Überzeugungen, auf unsere Urteilskraft und auf unsere Aktivitäten, schreibt Charles Morris1946 in dem Buch Signs, Language, and Behavior.
Wir wohnen einem kollektiven, religiösem Ritual auf weltweiter Ebene bei, Ausdruck einer süßen Diktatur: einer Diktatur, in der die Pyramide des Kunstwerkes Perversion der Zeichen ihre paradoxe Assoziation im Sakralen und Numinosen findet.
Die Pyramide, Tempel und Symbol der Perfektion, Bewahrende des Ursprungs der (Schrift-) Sprache (der Hieroglyphen), wird in diesem Kunstwerk zur Parodie eines kulturellen Fortschritts aus den antiken Wurzeln, der seinen Höhepunkt in unserer Zeit hätte erreichen sollen; also in der Ära des kognitiven Kapitalismus, die schlechthin auf Kommunikation und Information basiert.